Metal goes Science – geht das gut? Ein Erfahrungsbericht.

von Anna am 2. Mai 2012

Spätestens jetzt soll niemand mehr sagen, an Unis würde nur lebensferner, trockener Stoff vermittelt. „Symbolische Konstitution einer residualen Kultur“ – hinter diesem zugegebenermaßen sperrigen Titel verbarg sich im Wintersemester 2011/12 ein Seminar an der HBK Braunschweig unter der Leitung von Rolf Nohr – über und mit einer Menge Metal. Aber alles natürlich streng wissenschaftlich!

Als ich das erste Mal im Seminarraum sitze, wundere ich mich: Die Seminarteilnehmer, hauptsächlich Frauen, sehen allesamt völlig normal aus – oder, wenn man sich das Thema das Seminars vor Augen hält, leicht fehl am Platz. Eine Lederjacke oder gar ein Metallica-Shirt trägt hier jedenfalls keine(r). Reine Tarnung? Ob sie sich gleich die Strickjäckchen von den Leibern reißen und „Master of Puppets“ skandieren? Immerhin sehe ich auch nicht so aus, als würde ich mir regelmäßig zu Amon Amarth und Emperor die Birne wegknallen.

Kurz vor Beginn der Sitzung kommen doch noch zwei, die dem typischen Bild eines Metallers entsprechen: langes Zauselhaar, Bart, schwarze Kleidung. Einer trägt sogar eine Lederjacke. Sie lassen sich in der hinteren Reihe nieder. Tag gerettet.

Eins wird schnell klar – die meisten Teilnehmer dieses Seminars sind blutige Laien ohne jedes Vorwissen. Apropos blutig: Als der Dozent zum Einstieg nach Assoziationen zum Metal fragt, dreht sich vieles um die Gewalt in den Songs. Und um die merkwürdige Kleidung. Und ganz allgemein um den Sinn dieses ganzen unverständlichen Kreischens. Das Seminar – das geben einige offen zu – besuchen sie hauptsächlich deshalb, weil es gerade gut in den Zeitplan passt. Mancher will vielleicht die dazugehörige Übung belegen. Oder – vereinzelt ist man doch vage interessiert, will einfach mal reinschnuppern in diese „fremde Subkultur“. Ich frage mich: Mit denen soll man sich jetzt über Metal unterhalten? Und am Ende stelle ich fest: Doch, das geht.

Zu Anfang beschäftigt sich das Seminar mit den gemäßigten Spielarten des Metal. Dank YouTube beschallen Vertreter der „New Wave of British Heavy Metal“ wie Judas Priest den Seminarraum. Metallica lassen dann tatsächlich die Puppen tanzen, und Eddie Van Halen gibt sein weltbekanntes Gitarrensolo zum Besten.

Die meisten Teilnehmer können sich mit dieser Art Metal zumindest arrangieren. Auch Nightwishs „Nemo“ ertragen sie heldenhaft. Beim nächsten Video hört die Toleranz allerdings auf: Röhrend turnen Immortal in Kriegsbemalung und Krebsgang über irgendeinen eisigen Felsen im Nirgendwo. Nun kann man sich auch als gestandener Metalfan seine Gedanken über Immortal machen, die manchmal auftreten wie Undercovercomedians während einer gnadenlosen Selbstparodie. Doch in diesem Seminar ergibt sich daraus ein Vorteil: Die Teilnehmer finden hier – in überspitzter Form – alles, was den härtesten aller harten Metaller ausmacht – und sind prompt irritiert.

Die bemalten Gesichter zum Beispiel – „grotesk“. Die Erklärung, es handle sich hierbei um das so genannte Corpsepaint – „Leichenbemalung“, trägt da nicht zu besserem Verständnis bei. Verstehen, wovon Immortal eigentlich singt, kann man sowieso nicht. Ist vielleicht auch besser so. Verse wie „Gather attack while death marches in the sky“ könnten den unbedarften Zuhörern vielleicht den Rest geben.

In den folgenden Sitzungen bemüht sich das Seminar dementsprechend, beim Thema Fankultur, Lyrics und Symbolik Fuß zu fassen. Es lernt, was eine moderne Kutte ist und sogar, wie man sie tauft. Außerdem noch, dass Satanismus und Mord in den meisten Black Metal-Texten nicht ernst gemeint, sondern bloß ein Ausdruck von Rebellion sind. Mit der Zeit entwickelt sich sogar das ein oder andere amüsante Ritual. Wenn Daniel – einer der beiden Metaller – ein neues Bandshirt anhat, bemühen sich Seminar und Dozent nach Leibeskräften, die verschnörkelte Schrift zu entziffern: „…könnte ein C sein, nein ein Rrrrr, Ri, Ria, Rialnr“ – und brauchen am Ende doch meist den Träger, um das Rätsel zu lösen (in diesem Fall übrigens Windir).

in Highlight des Seminars sind ohne Zweifel die Gastvorträge. Zuerst erklärt Dietmar Elflein die musiktheoretischen Hintergründe von Hard Rock und Heavy Metal – wer nicht gerade selbst in einer Metalband die E-Gitarre in den Verstärker rammt, kann hier eine Menge lernen.

Den zweiten Vortrag hält der Fotograf Jörg Brüggemann, der ein Jahr lang durch Südamerika gereist ist und die dortige Metalszene vor sein Objektiv genommen hat. Noch interessanter als die Fotos sind allerdings die Geschichten, die er dazu erzählt. Von ganzen Metalvierteln und -dörfern ist da die Rede, und von Menschen, die zig Kilometer laufen und ihr gesamtes Erspartes ausgeben, um Iron Maiden zu sehen. Aber auch die Globalisierung und ihre Schattenseiten finden hier ihren Platz – warum kommen Maiden und Co nach Südamerika? Handelt es sich beim Metal etwa um eine Art musikalische Coca Cola, die in fremde Kulturen exportiert wird und sich dort breitmacht?

Von Jörg Brüggemann lassen wir uns übrigens unseren Eindruck bestätigen, dass es weltweit sehr wenige weibliche Metalfans gibt. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum sich in einem überwiegend weiblich geprägten Studiengang und damit auch in diesem Seminar wenige begeisterte Anhänger finden.

Vielleicht ist das aber auch gerade vorteilhaft. Schließlich können sich unbefangene Menschen wesentlich leichter wissenschaftlich-objektiv mit einem Thema auseinandersetzen als fanatische Fans. Oder?

Ich gebe zu, dass es mir, als Fan, zum Teil tatsächlich schwer fällt, mich objektiv mit dem Thema Metal zu beschäftigen Da muss ich mir anhören, dass ich mich in meiner schwarzen Kluft uniformiere und damit höchstens die Zugehörigkeit zur ominösen Gruppe der Metaller anzeige, aber nicht mich selbst – soviel zum Thema Individualität. Auch das leidige Thema der Rechtsgewandheit mancher Black Metal-Bands kann ich nicht mehr einfach übertönen, indem ich das Booklet ignoriere und die Lautstärke aufdrehe. Jetzt ertappe ich mich beim „Genuss“ von Amon Amarth tatsächlich dabei, im nordischen Heldengeplänkel nach völkischen Botschaften zu lauschen.

Es muss auf der anderen Seite aber auch schwerfallen, eine Musik in Gänze zu begreifen, die man sich niemals freiwillig anhören würde. In diesem Seminar sollten dicke Vorbereitungstexte helfen, die Teilnehmer auf ein angemessenes Level zu hieven. Tiefergehende Diskussionen gibt es trotzdem kaum.

Eine Ausnahme bildet der „Politblock“ – denn mit Politik kennen sich die meisten hervorragend aus. Metal gilt nach wie vor als recht unpolitisches Genre, im Gegensatz zum Hiphop oder gar Punk. Außer einer gewissen „Rückbesinnung“ oder „Back to nature“-Philosophie kann man ihn keiner Ideologie oder Bewegung zuordnen. Eskapismus kann man Metallern trotzdem nicht vorwerfen. Über die Frage, wie verbale Schlachtfeste und Songs wie „Surf Nicaragua“ zusammenpassen, entspinnt sich tatsächlich eine lebhafte Diskussion.

Ebenso über das Thema „Metal im Islam“ – wie man sich denken kann, haben es Metaller in islami(sti)sch geprägten Ländern alles andere als leicht. Kaum einer traut sich dort mit langen Haaren auf die Straße, Konzerte sind meist klein und illegal. Ist der Metal dort nun besonders politisch? Nein. Gerade dort reduzieren Bands kontroverse Lyrics auf ein Minimum. Aber alleine die Tatsache, dass Bands trotz zahlreicher Repressionen noch auftreten, kann als politisches Statement gewertet werden.

Fassen wir mal zusammen; Abgesehen davon, dass dem Seminar das Format einer Vorlesung manchmal besser getan hätte, kann man sich nicht beschweren. Als Metaller hatte man die Gelegenheit, sich in einer Art und Weise mit seiner Musik auseinandersetzen, die über glückseliges Headbangen hinausgeht (und ab und an ein paar neue Musiktipps abzustauben). Unwürdige Nichthörer wurden zwar meiner Vermutung nach nicht bekehrt, verstehen uns vielleicht aber besser und springen nicht mehr vor Schreck in den Straßengraben, wenn sie eine schwarz gewandete Gestalt über die Straße gehen sehen. Oder vielleicht gerade jetzt. Wer weiß.

 

Bildnachweis: Die Bilder in diesem Artikel stammen aus dem Trailer zur Tagung “Metal Matters” an der HBK Braunschweig (3.-5. Juni 2010)

All for the love of metal, all for the love of food – an interview with Cauchemar’s Annick Giroux

von Uli am 18. März 2012

Annick Giroux is one of the most interesting personalities metal has to offer these days. Not only is she the vocalist of Cauchemar, who were one of Fenriz’s bands of the week in 2010, but she is also a world-travelling, fanzine-editing, hellbent-for-cooking workaholic in the name of metal. As we are always interested in what exciting people have to say, we asked her for an interview. Annick kindly answered our questions on the road somewhere between Bangalore and Delhi.

Empress: You have been on a trip around the world for a year now and you will go on travelling for another year. You quit your job, got rid of your flat and your belongings and left your old lives behind. Amazing! How long had you been planning to do that? And what is it you want to find on your journey?

Annick: Greetings! Yeah, it’s been a crazy trip so far… we experienced so many things in this amount of time, it’s just absolutely incredible. Me and my husband planned the whole thing a bit more than two years before our departure. My goals were to learn firsthand about different cultures, taste REAL food from everywhere, visit some mystical places and get a clearer image of what I want to do in the future. When you travel, you have SO much time to think about everything.

Empress: Do you already have plans for the time after your journey? Will you resume your old lives or start something completely new?

Annick: The big plan when we come back is to start an underground label. Profession-wise, I will work in graphic design for two or three years while saving all my money. When my husband and I have a satisfying amount of money, we’re going to go on a small Canada-USA 3-month trip by car, and then hopefully open a record shop! For my band, CAUCHEMAR, we plan on releasing a full-length next year – we already wrote about 7 songs for it while on the road. Beside that, I want to organize some festivals and shows, and perhaps take on some DJ gigs from time to time! People “warned” me I was going to be depressed when I’ll stop my travels… I don’t think I’ll have the time, haha!

Empress: How has travelling changed you?

Annick: I’m a very open minded person, but travelling made me see how many prejudices I still had about different countries and cultures. Now, I know that I cannot judge anything before experiencing it myself! I also learned about simple living. Having less things = having less worries. We’re definitely going to have a simple and small living space when we come back… but with a guest room for visitors, of course! And you can be absolutely happy without having a huge house, a car and a cell phone, you know!!

 

Empress: According to your blog your have a very cool and balanced mixture of touristy things, food experiences and local metal scenes. How big are the similarities or differences between the scenes? Or would you say that there is one big, connected and rather uniform “world scene”?

Annick: Every metal scene is very different actually, which is what makes local metal so unique. Some scenes are still quite young – like the Indian, Korean and Chinese metal scenes, and some are very old, like the Japanese, Peruvian and Argentinean scenes… so the local history of metal has a very big effect on what is happening now!

Then there are the local politics and cultures; for example, most Malaysian metalheads do not drink (Islamic country), and Colombia for example has a very violent political past. You also have the local economies; richer countries like Japan have better metal record shops than poorer countries like Bolivia. And finally, the postal system! Malaysia and Indonesian post workers often open packages, and if they see any satanic stuff, they confiscate it and the receiver is in big trouble… Colombian mail workers used to scratch satanic vinyls and then put them back into the record sleeves and ship them like that! That alone has a huge effect on local metalheads! Anyway, I think the gap between the metal scenes in each country I visited so far is really wide…

 

Empress: Was there a local scene somewhere you found very special in comparison to other scenes?

Annick: Perhaps the Thailand metal scene! I loved to watch how younger or less experienced metalheads greeted an elder one with an angelus salute (putting both hands together as a sign of respect). The underground metalheads there hold some kind of tiny market every Saturday night where they meet, trade and buy records, exchange information and drink beer in the open air. I thought it was quite different from anything. I wish I could have stayed there longer to experience it more, snif snif. But every scene has something that makes it special. I could go on and on for hours on this very interesting subject!

 

 

Empress: You were one of the headliners of  the second Trendslaughterfest on January 29th 2012, in Bangalore, India. This is really a cool thing! What were your expectations before playing there?

Annick: I didn’t have too many expectations before the gig, really. Our band is so underground that I had no idea if people even knew about us there! I mean, we released a 5-song EP and we sing in French… hahaha. But actually, I was surprised on how many people knew about us in India – and how rich the local doom metal scene was!! We played in front of around 150 people, and they really reacted well to the gig. We even sold out of our CD’s before we even started playing! Amazing!!!

 

Empress: Your book „Hellbent for Cooking“ came out in 2009 and has been a real success – EVERYONE knows about it and loves the idea behind the book. How did you get the idea to write this book?

Annick: I was surprised at how successful it became, and people are still talking about it these days… haha! It’s pretty insane! I got the idea on a  Sunday morning, still hungover from a night of drinking. It happened when I was walking with my boyfriend (now husband) to go hunt for records and used cook books. See, when I am hungover, I LOVE cracking stupid jokes and I have some very strange ideas… so I said as a kind of joke, “Hey, I should ask metal bands for their favourite recipes and make a book out of it”! And then as the day went on, I kind of thought about it more, and it became quite clear that it was a great idea!

Empress: How did you get the bands to contribute their favourite recipes to „Hellbent for cooking“?

Annick: I sent most of them an e-mail with my request, but a few requests were done by snail mail. I basically asked them for a recipe that reflected either their country or their band.

Empress: Do you in some way see a relation between cooking and metal?

Annick: I see many relations between cooking/food and metal. Metalheads in general like their metal to be of good quality, and it is the same thing with their food. Metal is influenced by the local cultures, and so is the food. Metalheads generally spend a large amount of money on their metal habit, so cooking saves money! And really, food is just always there in our lives, just like metal. Eating and drinking is always a good excuse for exchanging metal information and ideas.

Empress: Are you planning to write a sequel of your book with the recipes you gathered on your journey?

Annick: Good question! I’m thinking more and more of doing a sequel, but not with the recipes I gathered myself. I mean, the first “Hellbent…” is missing so many kickass food countries like Peru, India, Thailand… it’s blasphemous! I want to somehow combine my journey with recipes… talk about the countries we visited and include bands that I’ve met and that come from those places. Anyway, it’s just a thought for now, but hopefully it’s going to become reality.

 

Empress: I really love the Cauchemar-EP „La Vierge Noire“, especially for the beauty of the song writing and the unpretentious sound. Will there be a new Cauchemar-release soon? Are you planning to make a whole album this time?

Annick: Thank you, I’m very happy you like the EP so much. We are also very satisfied about the overall sound – our goal was to have an overall timeless organic and live feel and I think we achieved it for this album! We are definitely going to do a full length, like I mentioned earlier. Perhaps we will record a 7″ while touring Europe, but I’m not sure at 100% about it yet.

Empress: You will be touring Europe in April in May. A couple of gigs have been confirmed, for example the Keep it True – congrats! What are you especially looking forward to?

Annick: Yeah!! The Keep it True gig will be fucking insane!!!! Actually, we already have 19 shows confirmed, which is absolutely crazy! We’re also playing Heavy Days in Doomtown (Denmark), and Muskelrock (Sweden) as well as gigs in Germany, England, France, Spain, Italy, and Switzerland. I’m really looking forward to meeting like-minded people, see kickass bands, eat good food and as weird as it sounds, I’m totally looking forward to blasting music in the tour van and headbanging my way across Europe!!! Hahaha! I’m already thinking of albums for that.

Empress: You used to be the chief editor of the Morbid Tales fanzine. On the website you state that there will be no follow-up of the last issue #6 which came out in 2009. Will you stick to that or is there a future for Morbid Tales?

Annick: Yeah, that didn’t last too long haha, I have already started working on Morbid Tales #7. Oops, I forgot to mention it earlier in my next plans!! I already have a few interviews and I will include a record shopping guide for all the countries that I have visited. Should be good!

Empress: When you are at home, you play an active role in so many parts of the scene – editing a fanzine, booking shows, working for Nuclear War Now!, writing Hellbent for Cooking, being a Metal DJ, and of course singing in Cauchemar. How do you organise yourself to manage all that?

Annick: I don’t know haha, many sleepless nights! I actually am a woman of plans, I cannot live without doing something interesting. If I don’t do anything, I just rot in front of the TV and become lazy and useless, which is no fun at all. I think the hardest in all of these things was Morbid Tales #6, I developed a weird anxiety/stress problem while working on it. I had a due-date (I organized a show for the release) and still had half of the zine to do… so I worked on it relentlessly. For some reason, I clenched my jaw hard and grit my teeth every time I was working on it… it hurt so much I had to put that fucking numbing baby gel thing on my gums so I won’t feel anything anymore! It took about a year to go away after that. Fucking crazy! But now I will take more my time for the next issue. Hehe. But besides that, the rest went very well. Working for NWN! Prods was really fun, plus I’d get free records in the mail all the time! And of course, doing DJing was cool because it cut the week in half (I DJed every Wednesday from 9PM to 3AM, but then had to get up at 7AM the same day). I really miss doing that. Doing “Hellbent for Cooking” totally fucked up my social life; I had none for 6 months. I wrote to bands, got the recipes, edited them, went food hunting, cooked the food (sometimes more than once if I fucked it up or if the recipe was wrong), photographed everything, then put the results in a layout that I designed. Then I wrote biographies (some were written by Ian, my editor) and that was it! 6 months gone! It was a lot of work, but so much fun. The hardest thing was to deal with the timing of the sunset… (!) Since I have no professional photo studio or anything, I took 90% of my photos outside, on my balcony. That meant I had to rush home from work, cook the recipe, and then take a photo of it before the sun set down. Luckily it was summertime, or else I could not have done it! Of course, I cooked a shitload during the weekends. And as for Cauchemar, we worked on writing the songs for a long time, since 2007 actually. We had to develop our own writing style (myself and the guitarist/my husband write all the songs together), and went through many musicians before finding the present line-up. We have now been writing new songs in rehearsal studios all over the world, and it just flows so naturally now. I’m really excited to lay the drums and bass on those! We’re going to play four of them on tour.

Empress: At Empress we are interested in the role women play in the rock & metal scene – do you ever think about what it means to be a woman in a largely male dominated scene? Is that of any importance for what you do?

Annick: I never think of myself being different from the guys, really. Where I come from, there are almost as many women as men in the scene. In fact, I’ve seen some gigs where the women are the ones headbanging in front of the stage! Haha! So that kind of question always surprises me… but then again I don’t know the situation in Europe.

Empress: Why are there still comparatively few women active in metal, at least on stage?

Annick: I know many female musicians but I think women are not naturally keen on learning instruments. I don’t know why. Perhaps they are more interested in socializing or something! Personally, I have learned to play guitar at an early age, and then switched to bass when I was 12 years old. As for female vocalists – most female vocals in Black and Death metal (except for bands like BESTIAL HOLOCAUST and NOVEMBER GRIEF for example) don’t sound good at all. If the front woman sounds good and doesn’t dress like a stupid slut, then I’m all up for it!!! I think female vocals sound much better in traditional Doom Metal and Heavy Metal.

Empress: Thank you so much for taking the time! Any last words?

Annick: Hey, thank you for writing such a kickass and interesting interview! I hope I didn’t bore you with my answers, haha! Thanks for all and keep up the great work with Empress!

 


Annick runs a blog about her travels: Into the Void

Cauchemar will be touring Europe in April/ May:

  1. Fri, Apr 20 Berlin GERMANY Blackland
    8:00pm
    w/Evil Spirit
  2. Wed, Apr 25 Nürnberg, GERMANY Kunstverein
    8:00pm
    w/Cosmic Wasteland
  3. Fri, Apr 27 Lauda-Königshofen, GERMANY Keep it True 15
    12:00pm
  4. Tue, May 01 Leipzig, GERMANY Black Label
    9:00pm
    w/Black Salvation
  5. Thu, May 03 Copenhagen, DENMARK Heavy Days in Doomtown
    9:00pm
  6. Fri, May04 London, ENGLAND The Old Blue Last
    9:00pm
    w/Amulet
  7. Fri, May 11Brussels, BELGIUM D.N.A
    9:00pm
  8. Sun, May 13 Valenciennes, FRANCE Long Live Metal!!!! VI
    3:00pm
    Igelrock w/Delirium Tremens, Warhammer, Necrowretch, Gae Bolga, The Bottle Doom Lazy Band
  9. Sun, May 13 Paris, FRANCE Le Klub
    9:00pm
    w/Children of Doom
  10. Wed, May 16 Rennes, FRANCE Mondo Bizarro
    9:00pm
    w/Children of Doom
  11. Fri, May 18 Toulouse, FRANCE TBD
    8:00pm
    w/Nuit Noire + Goat River
  12. Sat, May 19 Torreilles, FRANCE Le Bistroquet
    9:00pm
  13. Sun, May 20 Barcelona, SPAIN El Prat De Llobregat
    9:00pm
    w/Atonement
  14. Mon, May 21 Marseille, FRANCE L’Enthropy
    8:00pm
    w/Super Timor
  15. Tue, May 22 Lyon, FRANCE TBD
    8:00pm
    w/Sanctuaire
  16. Wed, May 23 Lausanne, SUISSE Base Bar
    8:00pm
    w/Sanctuaire
  17. Fri, May 25 Bologna, ITALY Atlantide
    8:00pm
    w/Embers
  18. Sat, May 26 Bergamo, ITALY Live Keller
    9:00pm +
    w/Black Oath Caronte
  19. Thu, May 31 Alvesta, Sweden Muskelrock 2012 – Blädinge Tyrolen
    4:00pm
    w/Grim Reaper, Hell, Enforcer, Acid King

If not otherwise mentioned, the copyright for all pictures in this article belongs to Annick Giroux.

DOOM IT YOURSELF – a pre-festival interview about Denmark’s darkest days

von Uli am 2. März 2012

 

On the first weekend of May a new, innovative festival will be taking place in Copenhagen for the very first time: No headliners, no money making, just DOOM and DIY.

HEAVY DAYS IN DOOMTOWN will be a very special event not only because of its most amazing line up - the festival, which is entirely committed to the principles of DIY, will also involve all kinds of visual arts and aims at merging aural and visual experiences. Reasons enough for us to be interested in HDDT.

The original plan was to conduct the interview with the whole collective behind HDDT, but as most people were piled in the massive amount of work that comes with preparations for HDDT, we got all our answers from Daniel Abecassis, who is part of Undergrundsmusikkens Fremme (UMF), the organization behind Heavy Days In Doomtown, the Kill-Town Death Fest (KTDF) and Killtown Bookings.

 

Empress: HDDT differs in so many ways from the usual festival. Why for example did you choose to let the bands play at different venues in Copenhagen?

Daniel: Hey! Thank you for inviting us to do the interview. You say that the fest differs in so many ways from other festivals. To that I can only say that I certainly hope so, cause that’s what we are aiming for: to create an alternative to the usual, commercial festivals.
About having the fest in different venues: We thought that it would be nice to have a fest that moves around from place to place, so that it will be a part of the whole city and include the whole “scene” by incorporating the main alternative venues. We haven’t really tried out the concept, apart from the “warm-up” concert we held at Loppen for KTDF 2011, and that worked out fine. Initially we had ideas to spread the fest to other parts of the country as well so that the bands we bring over could play more cities in Denmark while over here, but we soon gave up on that idea, because our friends in the other cities preferred to come over here for the fest instead of being at home…

 

Empress: HDDT will not only be a music festival but also involving other art forms. What kind of role do you expect the other arts to play, and which artists will be there?

Yes, we had the idea that HDDT should be more than a music festival, because we think that the genres this festival tries to capture hold more in them than just music, they also include their own unique aesthetics, atmospheres, ideas, visual concepts and moods. We have an artist collective connected to the organizing crew that will take care of all the other events that will happen during the fest apart from the music programme. The idea to incorporate exhibitions, installations, projections, happenings, events, decorations, murials etc. is a way for us to make this a more complex event. We want to bring in art to give the audience a fuller and more visual sensation while being at the fest, and we hope to give them a nicer, richer experience by presenting more options than just beer and music (not that there’s anything wrong with beer and music…).
We are really proud to be able to host exhibitons from the amazing artist David D’Andrea from Portland, USA, who is famous for his graphical work for The Roadburn Festival and numurous bands from within the doom spectrum. We are also happy to be hosting Glyn Scrawled from Northern Ireland who is also famous for his work with screenprinting and album cover art and The 13th Sign Collective from Berlin who also does amazing DIY screenprinting art and who is designing the graphical concept for HDDT. Besides that, there will be a number of artists doing installations in metalwork with fire and we have decoration themes for the different concert rooms, projections, happenings and more.

 

Empress: How do you imagine the different kinds of art to interact?

Daniel: Well, in practice what we have mangaged to come up with are a few exhibiting artists, some visuals/projections indoors and on the outside of the buildings, some scrabmetal-art-installations with fire etc., some rooms decorated in different themes for atmosphere and some lightshows. We throw in an occasional happening here and there too… So hopefully the art part of the fest will be a nice supplement to the concert experiences.

 

Empress: The most important aspect of HDDT is the underlying DIY principle. UMF has already been successfully organizing the Kill-Town Death Fest and applying the principles of DIY there. Can you describe what exactly DIY means in this context?

Daniel: Yes I can try my best… DIY is a parallel network that works as an alternative to the corporate music industry. The punk scene has for the past 3 decades been establishing this structure where bands can tour, perform, record, release and distribute their music on a global scale without financial speculation from corporate money vultures. This structure is set up so that all bands will have an equal shot at perfoming in front of local crowds and releasing music on small independent labels and getting international distribution. The punk scene has over the years established itself with venues, rehearsal rooms and recording studios that function as the main framework on the local level of this structure. All of us in Undergrundsmusikkens Fremme are from this background and have or had some kind of affiliation with Ungdomshuset (the main DIY center) here in Copenhagen or similar places abroad. We like these structures so much that we thought that other music scenes could benefit and learn from how the punk scene has organzised itself. This is how KTDF started, and it is the trail that HDDT is trying out now, too.

 

Empress: You say that through the Kill-Town Death Fest you brought the DIY principles into the Scandinavian Death Metal Scene. Where exactly do you see the effects of that?

Daniel: We had 2 festivals so far with a fair amount of success. We have also launched a DIY touring agency (KILLTOWN BOOKINGS) that has now organized two international tours and has two more lined up (Sonne Adam (Israel) / Cruciamentum (uk), Funebrarum (us) / Undergang (dk), Sonne Adam (Israel) / Venenum (Germany) and Noothgrush (us) / Aldebaran (us)). I guess  the success of spreading the DIY structures has been limited, but the festival has made itself a good name out there, and it has inspired at least a few similar festivals to take place. We are also receiving loads of emails from bands from all over the world that either want to play at the festivals or want us to organize tours for them. We have also initiated a series of cooporations with promoters, bookers, venues, labels and media to work with us on establishing alternative infrastructures for routes for touring bands. We think that this a pretty good start for a fairly newly started initaitive with big aspirations…

 

Empress: What can you say about the relationship between DIY-Scenes and the music industry in general? Will the first eventually win over the second?

Hahaha I certainly hope so! Actually I don’t really see it as a struggle between the DIY structures and the music industry. We have different interests, so we don’t really cross paths. The music industry wants to make money with the bands they sign, and the bands who get signed there want to live off their music and get famous etc. The aim of the DIY scenes is to provide all those bands that do not fit in this structure – and maybe don’t even want to – with channels to distribute their music in a non-commercial fashion. The DIY community does not want to deal with bands who want to make money, and the music industry only works with bands who generate profit, so in that sense we are operating in two different areas. Of course there is a grey area between the two, and some bands move from the one to the other.

 

Empress: Why have you now decided to start another festival following the same principles which is mainly focused on doom and the likes?

Daniel: Well with the”success” of KTDF and the UMF association I thought it could be interesting to venture out into more uncharted territories… But the idea itself for HDDT came up as a result of some talks between me and my friend Nikolaj. Nikolaj is a musician, and I am a booker, so we are coming from different ends of the spectrum, but both of us agreed that Copenhagen needed more self-organized events as a framework to bring in bands that otherwise maybe wouldn’t get to play up here. Both of us have been active in the DIY scene for many years, and we are both passionate music listeners, so we decided to call for a meeting to see if we could get a group together to start a new festival concept. Heavy Days In Doomtown is the result of that.

 

Empress: You’re also bringing a couple of bands to Europe that have not played here before, like Cauchemar, Noothgrush, Aldebaran, etc. What were the reasons you invited these bands and how did the bands coming from very far react to the idea of DIY and playing for free, so to say? Was it difficult to persuade them and did any bands refuse your invitation because of the DIY idea?

Daniel: We were very ambitious right from the beginning, so we invited all of our favourite bands. Some were very much into the idea and others were quite sceptical. Im really surprised that we actually pulled it of, and I think that we got a great line up together in the end. Some needed a bit more convincing, and for them I think the ideals mean less then the chance to get to play before a dedicated crowd and to tour Europe “for free”. Others just thought it was a great idea and wanted to support the concept. To those we are really grateful! With the bands we booked for their first European performances it was maybe a mix of coincidence and good timing. We are really proud and honored to be able to present and organize the first European concert for both Noothgrush and Aldebaran! That is like a dream coming true for me. But we put an effort into it and I had to travel all the way to the States to make this happen…

 

Empress: On your website you make it very clear that HDDT is supposed to be a place free from discrimination of women and homosexuals. Do you see a special need for that in the doom/metal scene?

Daniel: I think its necessary everywhere in society, but I don’t see it as a particular problem within the heavy rock/doom scene. In the metal community in general I think there is still a lot macho/sexist bullshit and racist attitudes and it is time to leave that behind. We live in the 21st century and we should by now have equality between the sexes, the races, and the different sexual persuasions even in the metal scene. I don’t see that it has anything to do with metal if you are a woman, a man, a black person or a gay. We all love the music and that’s the most important thing. People who think differently should read some books and leave their bigot beliefs on their bedroom dresser.

 

Empress: How do you perceive the role of women and homosexuals in the scene in general?

I am neither a woman nor a homosexual, so it is a bit hard for me to answer that. But I think that homosexuals are not very visible in the metal community and very few are outspoken about it. I think it’s cool that idols like Rob Halford and Gaahl from Gorgoroth have come out of the closet and created a debate in the metal community. But there is still a long way to go before homosexuality will be accepted in the metal scene.
I think that woman in metal have become more and more visible within the last decade or more, and I salute that tendency. I think it’s cool to have tough woman on the stages out there proving that any woman can play as well as any man. At HDDT we have made a special effort to have women in a lot of the bands who will be playing. So we are proud to present cool women in bands like Noothgrush, Aldebaran, Jex Thoth, Wounded Kings, Purson, Cauchemar, Jess and the Ancient Ones and Profetus.

 

Empress: Can you tell us something more about “Undergrundsmusikkens Fremme”, the collective behind HDDT? 

Daniel: Undergrundsmusikkens Fremme is our legal front that works as an umbrella for KTDF, HDDT and Killtown Bookings. We have chosen to organize ourselves in an association in order to be able to deal with public institutions and to be able to interact in the political cultural debate. Our aim is to create a higher awareness of DIY and its potential as a self-organizational tool. We are not a political group as such, but through our events and happenings we try to inform people about DIY and spread the ideas behind it. We are currently negotiating with the City Council of Copenhagen on a number of issues and we hope to be able to create change in some of the cultural policies. We have no idea if this will lead anywhere… And we don’t have much faith in politicians so this is just an experiment. We will see where it takes us.
As for the HDDT collective our primary ambitions for now is to make it through the first weekend of May alive and not end up in financial ruin… We have taken some financial risk by having such high ambitions with the fest, so we hope to sell quite a lot of tickets and to get all the support we can possibly get – especially from the local scenes.
But we had to deal with a major blow, as Sleep have announced that they will play at Amager Bio (in Copenhagen) on Friday the 4th of May. We had tried to book them, but their management didn’t even bother to answer us. Instead they were so nice to place their gig right in the middle of our festival, so that all our potential guests will be out there and not at our show… We are really sad and frustrated about this – not that we don’t love and worship Sleep, but why should they choose to play Copenhagen on that exact date…?!?! They could have chosen 362 other days of the year… Well, we have been negotiating with their Danish booker and friend of ours from Gearbox Agency and we have come up with some sort of cooporation where our guests will get a discount on the Sleep show with a 4 day armband for HDDT. We hope this will help to attract more people from abroad – they can combine a Sleep concert with a full DIY doomfestival with a great lineup! We aren’t sure this strategy will work, but this is the best we can do out of a fucked up situation…

 

Empress: While organizing the festival you follow the principles of participatory democracy, so that all volunteers involved can have an influence on the shaping of the festival. What effects does that have on the organizational work?

Daniel: The main effect on the organizational work is hours and hours of meetings… We talk and discuss a lot to be able to reach consensus or at least agree on how to move on with the problematics to solve things in the best possible manner. Some of us have lots of experience in doing festivals and concerts and others are brand new, so it’s also a learning/teaching situation where experience and know-how are passed on from genration to generation. We think it is a nice way to organize events, but it is by far not the most efficient…

 

Empress: Last words?

Daniel: We really need your support, so please buy your ticket at http://billetto.dk/heavydaysindoomtown2012 sooner than later. We need to sell a lot of tickets in the presale, so tell all your friends to get a ticket, too… We are also still looking for people to help spreading the word about the fest, so if you are interested in helping out with promoting HDDT 2012, please get in touch with us at heavydaysdoomtown.info@gmail.com and we will send you a package of posters, flyers and stickers you can distribute in your local area. We can also send you the electronic version if you want to post it around on the net. I guess thats it for now.
Cheers and thank you for your support! Daniel A//E / HDDT Crew

http://www.heavydaysindoomtown.com
Heavy Days In Doomtown on facebook

 

Buchreview: Metal Matters – Heavy Metal als Kultur und Welt

von Uli am 22. Februar 2012

 

Das „Staunen über eine unentdeckte Komplexität.“

Dass Metal ein Phänomen ist, mit dem sich eine wissenschaftliche Auseinandersetzung lohnt, ist inzwischen auch an deutsche Unis vorgedrungen. Im Juni 2010 fand daher die hierzulande erste Tagung zum Thema Metal statt. Es sollte „eine Leerstelle der Kultur- und Medienwissenschaft“ ausgefüllt und „die Komplexität des Phänomens Metal“ herausgestellt werden. Ende 2011 ist im Lit-Verlag der zugehörige Tagungsband erschienen, in dem die Beiträge der Teilnehmer versammelt sind. Auch wer nicht bei der Tagung an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig war, kann sich jetzt also selbst ein Bild davon machen, was es von wissenschaftlicher Seite zum Thema Metal zu sagen gibt.

 In der Einleitung gehen die Herausgeber, Rolf F. Nohr und Herbert Schwaab, auf das Misstrauen ein, dass beim Thema „Metal und Wissenschaft“ leicht aufkommen kann – die Angst des Fans, dass der Metal „kaputt-theoretisiert“ werden könnte. Nohr und Schwaab halten dagegen, dass es ihnen nur darum ginge, durch den „anderen Blick“ auf den Metal diesen einfach besser zu verstehen, „im Sinne eines Wunsches,   begreifen zu wollen, was einen ergreift.“

Das Buch ist in fünf Sektionen aufgeteilt, die die 28 Beiträge von Wissenschaftlern aus den verschiedensten Disziplinen (z.B. Sprach-, Musik- Medienwissenschaften, Pädagogik, Geschichte…) thematisch verklammern. Die einzelnen Sektionen zu den Themen Ästhetik, Codes, EthnografieMusikalität und VollzugMetal vs. ModerneGlocal Metal und Politik und Kultur des Heavy Metal beginnen jeweils mit einer einleitenden „Fokussierung“, durch die die einzelnen Beiträge auf das Oberthema der Sektion bezogen werden.

Die Beiträge selbst nehmen den Metal aus den unterschiedlichsten Perspektiven in den Blick, entsprechend den diversen Fachrichtungen, aus denen die Autoren stammen: Der Musikwissenschaftler Dietmar Elflein analysiert die musikalische Sprache des Metal und führt so vor Augen, was man eigentlich hört, wenn man Metal hört. Damit betritt er auf dem Gebiet der Musikwissenschaft absolutes Neuland.
Auch von Historikerseite gibt es Aufschlussreiches zum Thema: Carolin Frickes Beitrag über „Heavy Metal in der DDR-Provinz“ vermittelt einen Eindruck von der politischen Sprengkraft des Metal, dessen „bloße Existenz (…) der postulierten gesellschaftlichen Harmonie“ in der DDR widersprach.

Manche Autoren schienen aber nicht so richtig zu wissen, was sie in ihren Aufsätzen eigentlich vorhatten. Der Beitrag von Birgit Richard und Jan Grünwald über „Wilde Männer, frostige Räume und asoziale Fanart des Black Metals bei flickr, YouTube und Vimeo“ , in dem relativ wilde und unverbundene Vergleiche zwischen Black Metal-, Emo- und HipHop- Ikonographie (aber auch zwischen Gaahl und Knut dem Eisbären…) gezogen werden, merkt man an, dass die Beschäftigung der Autoren mit der Thematik nur an der Oberfläche gekratzt hat; dementsprechend kommt man hier auch zu keinem besonders aufschlussreichen Ergebnis.

Andere Aufsätze wie der von Julia Eckel zum Thema „Kutte & Co – zur textilen SchriftBildlichkeit des Heavy Metal“ lesen sich erstens sehr gut, ohne unwissenschaftlich zu werden, und machen genau das, was Wissenschaft tun sollte: Neue, interessante Erkenntnisse vermitteln. Das gilt für die meisten Beiträge, so zum Beispiel für Jan Leichsenrings Aufsatz, der sich mit antimodernen Topoi im (Black)Metal beschäftigt. In seinem sehr reflektierten Beitrag kontrastiert er die innere und äußere Sicht auf den Black Metal, den er als „Suche nach dem Eigenen und Eigentlichen“ versteht. Er stellt den Bezug des Black Metal zum Begriff des Erhabenen nach Edmund Burke her und trägt u. a. so dazu bei, Metal als ernst zu nehmende, bzw. innerhalb eines weit über den Metal hinausgehenden Bezugsrahmens existierende Kulturleistung (an)erkennbar zu machen. Jan Leichsenring schafft es außerdem, die Berührungspunkte von Black Metal und Neofaschismus aufzuzeigen, ohne Black Metal als Ganzes in die rechte Ecke zu stellen – eine Kunst, von der sich mancher was abgucken könnte.

Nur eine einzige Band schafft es, in einem eigenen Beitrag behandelt zu werden, und das sind – sehr zeitgeistig – Wolves In The Throne Room. Sascha Pöhlmann analysiert die Texte des Albums Two Hunters, das er als „environmental poem“ versteht, und setzt sie in Bezug zur amerikanischen Romantik des 19. Jahrhunderts. So kann er zeigen, weshalb die oft kontrovers diskutierten WITTR als wichtige Erneuerer des Black Metal und als die letzten Rebellen mit globalem, universalem Anspruch innerhalb eines Genres gelten können, das in seinen eigenen „ideologischen Sackgassen“ stecken geblieben ist.

Die Spannbreite der Schreibstile reicht von extrem elaboriert bis leicht verständlich. Ein bisschen entsteht dabei der Eindruck, dass Metal Matters nicht so genau weiß, an wen es sich eigentlich richtet: An ein Fachpublikum? An den gemeinen Metalfan? Bestenfalls an beide. Die Beiträge sind insgesamt sehr spannend und bieten viele Ansätze, sich weiter (wissenschaftlich) mit dem Thema „Metal als Kultur und Welt“ zu beschäftigen. Der Band zeigt an vielen Stellen aber auch das auf, was eigentlich selbstverständlich ist, gerade für Leser, die sich selbst innerhalb der Metalkultur bewegen. Nicht jeder wird diese Selbstbeschau brauchen, denn für viele ist ja mit der Musik schon alles gesagt.

Das Thema „Frauen im Metal“ wird in keinem der Beiträge besonders behandelt. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist bleibt schwierig zu sagen. Heißt es, dass Frauen so sehr als Teil der Szene wahrgenommen werden, dass sie nicht mehr besonders erwähnt werden und als „der Sonderfall“ behandelt werden müssen – oder werden sie von den Forschern einfach nicht wahrgenommen? In jedem Fall fällt auf, dass von den 32 Autoren nur fünf weiblich sind.

Es wird spannend sein zu sehen, welche Wirkung Metal Matters hat – wird damit ein ganz neues Forschungsgebiet begründet („Metal Studies“)? Oder ist und bleibt das ganze nur eine Spielerei von Forschern, die sonst ganz anderes auf dem Schirm haben? Wir sind gespannt.

Man merkt den Autoren, die ja möglicherweise selbst zu einem großen Teil Fans sind an, dass es ihnen Riesenspaß gemacht hat, einmal mit theoretischem Sezierbesteck an ihr Herzensthema zu gehen und zu sehen, was dabei herauskommt.

Und was kommt dabei heraus, wenn man Metal seziert?

Es wäre gut gewesen, wenn die Herausgeber diese Frage selbst noch einmal in einem Nachwort aufgegriffen und eine Bilanz aus den sehr vielen, sehr unterschiedlichen Beiträgen gezogen hätten. Aber vielleicht geht das auch gar nicht, denn was die Einleitung schon angedeutet hat, macht der Band auf jeden Fall klar: Metal ist einfach zu komplex, um mit wenigen Worten beschrieben zu werden.

 

 

 

 

 

 

TOTAL SELLOUT?

von Uli am 11. November 2011


Ein Interview mit Bobby Lieblings Frau Hallie über Musik und Kommerz

Bobby Lieblings Frau Hallie ist eine Reizfigur – zumindest für jene Pentagram-Fans, die es nicht fassen können, dass der Gottvater des Doom mit einer 25jährigen Fashion-Bloggerin und Designerin verheiratet ist.
Wer ist diese Frau? Ist sie wirklich die Yoko Ono des Doom? Saugt sie gierig das Geld aus Bobby heraus? Wird sie Pentagram am Ende zerstören? Und was Mode hat eigentlich mit Metal zu tun? Wir haben sie einfach selbst gefragt.

Empress: Kannst du kurz selbst beschreiben, was du so machst?

Hallie Liebling: Also, ich bin Hausfrau und Mutter, ich habe eine kleine Streetwear-Modelinie, ich habe mein eigenes Style-blog und ich schreibe.

Empress: Was mich hier besonders interessiert ist dein Blog – wie groß ist die Resonanz, die du bekommst? Und was für Leute folgen dir dort, eher Musikfans oder Modefans oder beides?

Hallie Liebling: Die Resonanz ist super, ich habe einen ständigen Zulauf von täglichen  Besuchern. Ich denke dass es hauptsächlich Fashion-Leute sind, die den Blog lesen, aber einige Fans meines Mannes – weibliche Fans, hauptsächlich – lesen den Blog auch. Die meisten männlichen Fans machen sich darüber in Foren o.ä. lustig – ich finde das einfach nur lustig.

Empress: Kann ich mir vorstellen. Du hast mal erwähnt, dass dein Mann Bobby alle Fotos für den Blog macht. musstest du ihn dazu zwingen oder ist er von sich aus an Mode interessiert? Den meisten Leuten dürfte es wahrscheinlich schwer fallen, sich Bobby als Modefotograf vorzustellen.

Hallie Liebling: Er hat sich freiwillig dafür angeboten – er liebt es! Er mag Mode; er hat sich immer schon sehr ausgefallen angezogen. In Sachen halcoholic ist er auf jeden Fall eine große Hilfe.

 

 

- An diesem Punkt muss Hallie kurz unterbrechen, um Klein-Bobby die Windeln zu wechseln -

 

Empress: Du hast eben schon gesagt, dass dein Blog sehr unterschiedliche Reaktionen hervorruft – von sehr positiv bis sehr negativ. Kannst du dir denken was genau es ist, weshalb manche Leute (und besonders die männlichen Fans) so heftig reagieren?

Hallie Liebling: Ich denke es irritiert die meisten Leute einfach, wenn man z.B. ein Bandshirt mit Chanel-Schuhen kombiniert. Oder wenn ich ein Burzum-Shirt trage – die Leute halten mich dann plötzlich für eine Antisemitin mit einem jüdischen Ehemann. Aber vielleicht sind es auch nur die Pentagram-Fans die es nicht gut finden, dass die Frau des Frontmanns einer Band, die als „Kultband“ gilt, einen Blog über eine so  oberflächliche Sache wie Mode hat. Es ist eben wie es ist – aber ich nehme den Blog eigentlich nicht so ernst – ich mache es, weil es mir Spaß macht. Die Leute im Internet lieben es einfach, alles mögliche zu kritisieren. Sie regen sich über den Altersunterschied zwischen uns auf, darüber, wie ich aussehen, was ich anhabe…wahrscheinlich haben sie einfach nichts besseres zu tun.

 

Empress: Könnte es sein, dass viele Leute im Rock&Metal oft ein antimaterialistisches Selbstbild pflegen, aber gleichzeitig sehr darauf achten, einen bestimmten Look beizubehalten? Liegt die Provokation also vielleicht darin, dass du mit diesem Widerspruch spielst und auch ihn auch offen ansprichst? Immerhin hat sich Bobby, wie du ja gesagt hast, sich immer sehr extravagant angezogen und die Fans fanden seine Outfits cool und nicht „oberflächlich“?

Hallie Liebling: Ja, ich glaube die Leute hielten seine Outfits immer für total authentische Second Hand-Klamotten, dabei zieht er wirklich alles an, von Prada bis zur alten Bluse seiner Mutter. Er mag eben das, was er mag.

Empress: Wenn man das ganze aus einem etwas größeren Blickwinkel betrachtet – wie würdest du das Verhältnis von Rock&Metal und Mode im Allgemeinen beschreiben?

Hallie Liebling: Ich finde es ist eine unausgesprochene, aber sehr wichtige Beziehung… und ich denke, dass die meisten Metalfans ultrabesorgt um ihr Image sind – ob es darum geht, das „richtige“ Bandshirt zu tragen, die meisten Nieten auf der Kutte zu haben oder was auch immer. Rock&Metal-Fans machen sich immer Gedanken über das, was sie tragen, aber die meisten tun so als wären sie total gegen Mode, im Sinne von „Wer interessiert sich schon für Mode? Mode ist scheiße!!“ Wahrscheinlich breiten solche Leute zu Hause erstmal 20 Bandshirts auf dem Bett aus, bevor sie sich entscheiden können, welches Shirt sie zum Konzert am nächsten Abend anziehen.

Empress: Welche Rolle spielt Musik in einem Leben und für die Dinge die du tust?

Hallie Liebling: Oh Gott – Musik spielt in jedem Teil meines Lebens eine riesige Rolle. Mein Mann lebt Musik nonstop, mein Kind liebt Musik, wir haben den ganzen Tag Musik laufen, im Haus, im Auto….Musik inspiriert mich dazu das zu tragen was ich trage, und sie hilft meinem Mann sogar dabei, Entscheidungen zu fällen, haha…Musik ist einfach ein riesiger Teil unseres Lebens.

Empress: Kannst du ein paar deiner Lieblingsbands nennen?

Hallie Liebling: Ich höre alles von Uriah Heep, Iron Butterfly, Mountain, Budgie und alten Aerosmith über GBH, Special Duties, Oxymoron, Vice Squad und Social Distortion zu Emperor, Mütiilation, Vlad Tepes… eine ziemliche Bandbreite also.

Empress: Das Interesse an Pentagram ist in letzter Zeit wieder ziemlich gewachsen. Du hast sie auf ihrer 2010er Tour begleitet. Hast du eigentlich in irgendeiner Weise aktiven Einfluss auf Bobbys Musik, mal davon abgesehen, dass du sowieso Teil seines Lebens bist?

Hallie Liebling: Ich weiß nicht, ob ich irgendeinen direkten Einfluss auf die Musik von Pentagram habe. Auf jeden Fall kann ich aber sagen, dass ich mich aus den Angelegenheiten der Band raushalte – ich will nicht die Nancy Spungen von Pentagram sein. Auch auf Bobbys Songwriting habe ich wahrscheinlich keinen direkten Einfluss; aber ich habe zuletzt ein paar Gedichte geschrieben, für die er sich interessiert. Und aus einem davon wird er vielleicht auch einen Song machen. Wir werden sehen, aber ich habe wirklich kein Interesse daran, mich in Pentagram und die Musik einzumischen, das ist nicht mein Platz, haha.

Empress: Die Designs deines Labels Käärme bedienen sich bei der Bild- und Symbolsprache von Black Metal, Death Metal und Punk, und das auf eine Weise, die an Andy Warhol erinnert – die Bilder und Symbole werden so lange wiederholt, bis sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben (zumindest gilt das für das T-Shirt, auf dem It von Abruptum abgebildet ist). Könntest du das kommentieren?

Hallie Liebling: Beim Abruptum-Shirt hatte ich ziemlich genau das vor. Ich wollte die Symbolik in einen Kontext bringen, den besonders die Black Metal-Szenepolizei einfach nur zum Kotzen finden würde, worüber Leute mit Humor aber lachen könnten. Und der Backprint mit der „Warnung“ von „The Black Legions“…ich finde einfach unglaublich lustig. Mir gefällt es einfach nicht, wenn Black Metal zu ernst genommen wird, denn die Musik ist in ihren Lyrics sehr ernsthaft, gleichzeitig können die meisten Black Metal Musiker ihre Instrumente aber kaum spielen. Und das ist  für mich der Reiz an der Sache, genauso wie das generelle Chaos in diesem Genre. Ich finde es einfach dämlich, wenn Black Metal zu ernst genommen wird.

 

 

Empress: Mal abgesehen davon dass es dir darum geht, die „Black Metal-Elite“ zu provozieren – ist es nicht doch ein ziemlicher Ausverkauf, wenn man eine absolut musikbezogene Bild- und Symbolsprache außerhalb des Musik-Kontextes benutzt?

Hallie Liebling: Ich entwerfe Kleidung mit einem Black Metal-Bezug, die die meisten TRVEN Black Metaller nicht mal tot anziehen würden. Damit mache ich mich auf meine Art liebevoll über eine Musik lustig, die ich selber sehr liebe. Ich sehe das nicht als Ausbeutung und Missbrauch. Viele Leute nehmen Black Metal so ernst – ich habe schon so viele Black Metaller getroffen, die NICHTS außer Black Metal hören und sich anderer Musik total verweigern. Aber im Ernst, es ist vollkommen okay, gleichzeitig Obie Trice und Black Metal zu hören. Euronymous wird sich deswegen nicht im Grab umdrehen. Ich sehe es aber auch als Promotion für die Bands – viele von den Käärme-Kunden haben tatsächlich noch nie von den Bands gehört, auf die sich die Designs beziehen, aber die Klamotte kann die Person dazu bringen, sich die CD zu kaufen. Das war immer meine Philosophie – wenn die Labels oder Motive irgendwo draußen zirkulieren, wird die Firma davon profitieren. Es ist genau dasselbe wie bei diesem Kleinkrieg zwischen Jerry Only und Glenn Danzig.
Da mein Mann Musiker ist kann ich verstehen, wie wahnsinnig es macht, wenn deine Musik illegal kopiert oder ohne Erlaubnis gebootlegged wird. Meiner Meinung nach ist es aber etwas anderes mit Kleidung. Das Misfits-Logo ist ein  Kultsymbol und einige Leute kaufen Merchandise mit diesem Logo, auch wenn sie die Band noch nie gehört haben. Dieser Kunde läuft dann eben mit diesem T-Shirt rum und macht so umsonst Werbung.
Aber ok, im Endeffekt bin ich total für den Ausverkauf – zu einem gewissen Grad. Mein Gott, mein Mann hat 40 Jahre lang versucht, sich in der Musikindustrie “zu verkaufen”, aber er ist keine einfache Person was das Zusammenarbeiten angeht, und er war lange sehr krank. Jetzt ist er ein dicker Fisch in einem kleinen Teich, aber er wäre eigentlich gern ein kleiner Fisch in einem großen Teich, also er hätte gerne mehr noch mehr Optionen.
Wie auch immer, ich würde niemals den Namen einer Band ohne schriftliche Erlaubnis benutzen, aber wenn ich ein sehr cooles oder ein sehr lächerliches Black Metal-Bild sehe, setzt das bei mir die Räder in Gang und ich werde zu Designs inspiriert. In der neuen Herbst/Winterkollektion haben wir zum Beispiel ein Teil, das besonders Black Metal-basiert ist: Wir haben das Label einer Black Metal-Band so verändert, dass es aussieht wie der Name eines speziellen Nobeldesigners. Es ist absolut cool und ich liebe es. Ich bin überhaupt sehr aufgeregt wegen der neuen Kollektion.

Empress: Hast du dir inzwischen Last Days Here angesehen, die Dokumentation über deinen Mann angesehen ? Gefällt dir das Ergebnis?

Hallie Liebling: Tatsächlich habe ich sie nicht gesehen und ich glaube auch nicht, dass ich sie mir jemals angucken werde. Ich will Bobby nie wieder so krank sehen wie damals, als wir uns kennen gelernt haben. Das ist mein Leben und kein Film. Also will ich es wirklich nicht sehen, aber ich habe gehört, dass er fantastische Reviews bekommen hat. Und da es eine Produktion von Don Argott und Damien Fenton ist kann sie nur großartig sein.

 

    Empress: In deinem Blog betonts du immer wieder, dass weder       du  noch dein Ehemann irgendwelche Antichristlichen Grundsätze     vertreten – warum ist dir das so wichtig?

        Hallie Liebling: Der wichtigste Grund ist, dass mein Mann vor vielen Jahren selber tief in den schwarzen Künsten involviert  war,  und ein spezieller Vorfall hat ihn wirklich zu Tode erschreckt. Was wir damit sagen wollen ist review your choices! Was meinen Mann angeht –  er trägt weder satanische Symbole auf seiner Kleidung   noch lässt er  so etwas auf CD-Booklets o.ä. drucken, auch weil Victor Griffin  (der Pentagram-Gitarrist, d.Red.) tiefreligiös ist. Mein Label  dagegen hat in seinen Designs sehr viele satanische Symboliken,  besonders in der neuen Saison. So was ist grade ziemlich im Trend, und ich versuche zwar, die Integrität meines Labels beizubehalten, aber  gleichzeitig die aktuellen Trends aufzunehmen und meinen eigenen  Dreh hineinzubringen.

Mein Gefühl dabei ist – wenn du in deinem  Glauben tief verwurzelt bist und in deinem Herzen weißt, dass du an  dieses Zeug nicht glaubst und es nur Bilder sind – Bilder auf T-Shirts für Leute, die sich gerne ein bisschen seltsam anziehen, dann wird Gott das verstehen. Also, obwohl ich einen christlichen Glauben  habe, benutze ich satanische und okkulte Symbole in meinen Designs. Wie gesagt, es ist nur ein Teil des Geschäfts.

 

 

Empress: Ich habe gelesen, dass du tatsächlich schon an deinen Memoiren arbeitest – wie weit bist du damit gekommen?

Hallie Liebling: Ich arbeite in kleinen Schritten daran. Mein Sohn ist meine erste Priorität, und Käärme ist das, was mir grade Spaß macht, und ich hoffe, dass ich das Label eine Weile am Laufen halten kann. Schreiben ist das, worin ich meine ganzes Leben lang schon gut gewesen bin, aber es fällt mir schwer, weil ich unglaublich selbstkritisch bin wenn ich schreibe. Außerdem bin ich meist nicht fähig zu schreiben wenn es nicht grade abartig früh am Morgen ist, z.B. um drei Uhr rum. Aber ja, ich arbeite immer mal wieder daran, und sobald ich die einzelnen Kapitel in Ordnung gebracht habe werde ich versuchen, einen Verleger zu finden.

 

http://hal-coholic.blogspot.com

 

Das Copyright für alle Fotos liegt bei halcoholic.com

Tapetraden – gestern und heute, oder: „zweimal Cradle gegen einmal was cooles“

von Runar am 15. Oktober 2011

those were the tapes... Wer  sich vor den Zeiten von Internet-Tauschbörsen, last.fm und sonstigen inflationären Mp3-Verbreitungsmöglichkeiten dem extremeren Metal – wie in meinem Fall dem Black Metal – zugewandt hatte, kann sich vielleicht noch an die Schwierigkeiten erinnern, immer an die neuesten Alben seiner Lieblingsbands zu gelangen, zumal wenn man eh ein finanziell perma-insolventer Schüler war und nicht gerade in einer Großstadt lebte. Das Angebot der hiesigen Musikläden – Mitte der 90er zumeist beschränkt auf das jeweils neuste Album der ‚Szene­größen’Cradle of Filth und Dimmu Borgir – hatte man bereits nach den ersten Monaten über­schwenglicher Begeisterung für diese neue Ausdrucksmöglichkeit pubertären Welt­un­verständnis dem heimischen CD-Schrank einverleibt, und auf Metal spezialisierte Plattenläden kannte man höchstens vom Hörensagen, die mehr in Form von Legenden durch die örtliche ‚Szene’ (also das Dutzend hormongeschüttelter Jünglinge mit kinnlangen, schwarz gefärbten Haaren) geisterten („Da soll es sogar alle Immortal-Platten geben!“). Natürlich gab es da noch die Mailorder, bei denen man per Fax oder Telefon das volle Programm der musikalischen Sehnsüchte bestellen konnte, aber wer auch nur einen Katalog eines ‚richtigen Black Metal-Mailorder-Versands’ (wir erinnern uns, tausendmal kopierte s/w-DinA5-Seiten, gerne noch mit Schreibmaschine getippt) besaß (EMP zählte nicht!), der galt bereits als wirklich in der ‚Szene’ etablierter Insider. Dazu kam bei Mailorder-Bestellungen (zumindest bei uns im tiefst katholischen Westfalen) das Problem, dass Bestellungen zumindest zu Beginn oft über die Eltern ablaufen mussten und diese – als aufgeklärte und an ihren Kindern interessierte Er­ziehungs­­berechtigte – dem Seelenheil des Sprösslings zuliebe gerne entschieden, dass ein Shirt mit der Aufschrift ‚Fuck Me Jesus’ nicht unbedingt zu den Aussagen gehört, welche die Nach­barn lesen wollen… so landete mein erster Last Episode-Katalog im Kamin…

Doch zum Glück war man ja nicht alleine in seiner Not, und ich muss gestehen, dass ich in meiner Jugend selten eine solche Solidarität erlebt habe, wie in unserer örtlichen Black Metal-‚Szene’ (ich erwähnte es schon, wir waren etwa zu zwölft… die Nachbardörfer mit einge­rechnet). Man traf sich also fast jeden Nachmittag nach der Schule in dem einzigen Fantasy-Laden diesseits des Rheins (wir hatten tatsächlich einen richtigen Fantasy-Laden mit Rollen­spiel-Runden und Tabletop-Turnieren, purer Luxus also, und maßgeblich für die zünftige Realitätsflucht, die zu einer guten misanthropen Adoleszenz einfach dazugehört), lauschte welt­entrückt in einer Ecke sitzend und mit gezwungen böser Miene – oder dem was man dafür hielt – den neuesten musikalischen Errungenschaften auf seinem Walkman, auch wenn man dafür die selbe Kassette immer wieder von vorne durchlaufen ließ, und versuchte die anderen Teilnehmer der Gesprächsrunde heranwachsender Menschenhasser mit seinem profunden Insiderwissen über fremde Bands zu beeindrucken („Jaja, Dissection heißen die.“). Die essentielle Bedeutung dieser Treffen war aber das Tauschen von Kassetten. Man über­spielte zuhause ein paar seiner Lieblingstapes, auch wenn die Qualität davon nicht unbedingt besser wurde (ich habe mir neulich nochmal ein paar meiner alten Schätzchen angehört, Bathorys ‚Hammerheart’ glich akustisch mehr einem Windows-Systemfehler) und tauschte diese dann mit anderen. Bei uns hatte sich dafür im Laufe der Zeit fast so etwas wie eine all­seits akzeptierte Währungsnorm etabliert: Cradle of Filth-Kassetten waren generell nur halb so wertvoll wie alles andere, bekannte Alben wurden 1:1 getauscht und je unbekannter die Band (wahlweise auch je unleserlicher das Logo) war, je mehr konnte man für ein Tape ver­langen.

Diese Treffen waren für mehrere Jahre unser direktester Zugang zu dieser großen weiten Welt faszinierend unbekannter Musik und ich habe noch immer fast 50 Kassetten aus dieser Zeit, fein säuberlich beschriftet. Auch als unser Fantasy-Laden schloss, ließen wir uns davon weder beirren noch beeinflussen und trafen uns weiterhin am angestammten Ort, nur eben auf dem Parkplatz davor, da wir be­fanden, ein Sonnenstudio sei nicht das angemessene Ambiente für unser Vorhaben – als Black Metaller lernt man eben früh die Bedeutung von stoischer Treue und bedingungsloser Ignoranz.

Und heute?

Längst haben Mp3s die Schlacht gewonnen, CDs, Platten und Kassetten spielen für die Ver­breitung von Musik keine wirkliche Rolle mehr. Ist man an einem neuen Album, einer neuen Band interessiert, dauert es in Zeiten von blogspots und rapidshare nur ein paar Minuten, bis man auch das noch so unbekannte Album gefunden und heruntergeladen hat. Ich gebe selber zu, dass ich oft von diesem leichten Weg Gebrauch mache und mich in einer Flut von Musik erstickt sehe. Natürlich kaufe ich, ebenso wie zum Glück noch genug andere, regel­mäßig die für mich wichtigen neuen Veröffentlichungen als CD oder lieber noch als LP, aber ich kenne genug Leute, die sich als ‚hardcore rtve Black Metaller’ sehen und schon seit Jahren keine Platte mehr gekauft haben… wieso auch? Es lässt sich ja alles herunterladen, am besten direkt die ganze Discographie einer Band – und schon haben sich mehrere zehntausend Titel auf dem Rechner angesammelt und plötzlich stellt man fest, dass man davon nur ein Bruchteil auch nur angehört hat und einem so viele großartige Stücke und ganze Alben entgehen… eben weil man keine Zeit hat um diese intensiv zu hören und zum Teil heute schon wieder vergessen hat, was man gestern heruntergeladen hat.

Und an dieser Stelle kehre ich wieder zum eigentlichen Sinn dieses kleinen Pamphlets zurück – dem Tapetraden.

Vor ein paar Jahren, ich hatte gerade wieder begonnen, zur Hälfte aus Nostalgie, zur Hälfte aus Geiz (die meisten Alben kosten als Tape gerade mal 4€) von CDs zu Tapes überzugehen, schrieb ich mit einem alten Bekannten über just dieses Thema. Wir klagten uns unser Leid darüber, dass wir zumindest neue Musik kaum noch intensiv hören würden und auch so nur noch selten etwas neues entdeckten, das uns noch so begeistern konnte wie früher. Schon lange waren die Zeiten vorbei, in denen man sich voller Neugier und Vorfreude mit dem frisch eingetroffenen Paket vom Mailorder vor die Anlage setzte und ganz bewusst jede CD nach der anderen durchhörte (oder gar in Ermangelung eines Plattenspielers mit seinen neuen LPs und EPs zu Freunden fuhr).

Also beschlossen wir, die glorreiche Episode des Tapetraden wiederaufzunehmen, auch wenn wir uns von der Umsetzung da mehr an diesen entzückenden Buchclubs orientierten, die in wohl jeder Kleinstadt bei der gelangweilten Hausfrauenfraktion anzutreffen sind. Wir nervten ein paar Freunde, die wir entweder als würdig genug ansahen oder die zumindest eine große und gut sortierte Platten-Sammlung ihr Eigen nannten, mit unserer Idee und begannen, uns abwechselnd neu überspielte (Wir erinnern uns an die liebevoll totkopierte Bathory!) Tapes zu schicken, erst monatlich und dann voller Begeisterung fast im Wochenabstand. Einzige Regel war, dass man für jede erhaltene Kassette auch selber ein neues Tape überspielte und weiterschickte und dass man immer ein Album oder auch einzelne Songs für einen Sampler aussuchte, die zu den persönlichen Favoriten zählen.

Mittlerweile ist unser kleiner Kassetten-Zirkel – nach knapp 60 erhaltenene Tapes – schon seit einiger Zeit… sagen wir ‚inaktiv’ (keiner schickt mehr etwas herum, aber alle schwärmen noch immer davon), aber anhand der teils doch recht dramatischen Preise, die bei Ebay mit­unter für Leerkassetten gezahlt werden, wage ich zu behaupten, dass es sie immer noch gibt, die liebevolle Erweiterung unseres musikalischen Horizontes – irgendwo da draußen…

Wer nun bei diesen Zeilen voller Wehmut und altklugem Wissen auch Feuer gefangen hat für das Tapetraden und ein paar Besonderheiten im Bereich des Black Metal besitzt, die nicht un­bedingt in den EMP-Charts stehen, der kann sich gerne melden:

runar@empress-metal-magazine.de

 

BLACK METAL SISTER

von Uli am 1. September 2011

Mein Leben als schwarze, feministische Metallerin

von Keidra Chaney

Ich weiß nicht genau, wann oder wie es passierte, aber an einem bestimmten Punkt in meiner Kindheit fing ich an zu glauben, dass ich ein weißer Typ sei, gefangen im Körper eines schwarzen Mädchens. Und zwar nicht nur irgendein weißer Typ, sondern der Gitarrist einer Heavy Metal Band.

Ok, hört auf zu lachen. Das ist kein Witz. Ich bin schwarz, ich bin weiblich, ich bin Metalfan. Und wie gesagt, ich kann mir wirklich nicht erklären, wie das passieren konnte.

Vielleicht, weil ich in den Achtzigern aufgewachsen bin und durch das Chicagoer MTV-Äquivalent eine permanente Dröhnung von Ratt-Videos abbekommen habe. Vielleicht lag es auch daran, dass ich in der Zeit pubertiert habe, als Heavy Metal in der Öffentlichkeit als das Sprachrohr aller zornigen, männlichen, weißen Teenager wahrgenommen wurde. Sicher, als Zehnjährige war ich weder weiß noch männlich noch besonders zornig – aber ich spürte die Energie der E-Gitarren, der unerbittlich hämmernden Drums und der growlenden Vocals. Damals schon wusste ich, dass Heavy Metal Power war, und diese Power fand ich unwiderstehlich.

Während der nächsten Jahre nahm ich mein Metal-Schicksal einfach an. Mir war meine Liebe zum Metal nicht unbedingt peinlich (bis auf die zum Hair Metal vielleicht…), ich konnte sie den meisten Leuten nur nicht erklären. Metal wird immer und für alle Zeit das Stiefkind des Rock sein – schlecht gemacht, verleumdet und missverstanden. Anständige Rockfans und -kritiker lehnen Metal als zu simpel und pubertär ab; Konservative verdammen Metal als „Musik des Teufels“. Und für viele Schwarze sind Metaller einfach nur ein Haufen irrer, kreischender Weißer, was eigentlich genauso schlimm ist. Sogar meine große Schwester, deren Musikgeschmack geradezu wahllos ist (Barry Manilow!), fühlte sich nicht besonders metal, falls ihr wisst was ich meine.

Aber in den frühen 80ern gab es tatsächlich ein paar Kids in da hood, die Metal hörten. Das Radio war damals noch nicht so stark nach Sparten separiert wie heute, aber HipHop existierte weder für MTV noch für die Produzenten der Myriade von lokalen oder regionalen Musikvideo-Shows, die damals ausgestrahlt wurden. Aber wir kannten Quiet Riot und Poison, die tragenden Säulen des Pop-Metal. Später, als HipHop erwachsener wurde und viele meiner Freunde aus Mötley Crüe raus- und in Boogie Down Productions und NWA reinwuchsen, entdeckte ich dagegen durch das Kabelfernsehen meine Faszination für Megadeth, Anthrax und Queensryche.

Am Anfang verheimlichte ich meine Liebe zum Metal allerdings schon, um bei meinen Freunden nicht als Freak zu gelten. Also schmuggelte ich nur heimlich ab und zu ein paar Metallica-Songs auf meine Salt’N’Pepa & Digital Undergroud Mixtapes. Schließlich weiß jeder, dass „normale“ Schwarze keinen Metal hören. Eine schwarze Metallerin macht für die meisten Leute genauso viel oder wenig Sinn wie entkoffeinierter Kaffee. Und das galt besonders in einer Zeit, als HipHop als Genre noch enge Verbindungen zu den kulturellen Erfahrungen der schwarzen Gemeinschaft hatte – das „schwarze CNN“, wie Chuck D. einmal sagte. Was konnte es also sein, das den Metal für mich so anziehend machte, wo er doch weder mit meiner eigenen Lebenserfahrung noch mit meiner kulturellen Identität in irgendeiner Weise in Verbindung stand?

Und doch, ich denke, dass es gerade dieser Widerspruch war, der mich so interessierte. Heavy Metal war so radikal anders als die Musik, mit der ich aufgewachsen war, dass er mir die Möglichkeit gab, mich selbst neu zu erfinden; mich als jemand anderen wahrzunehmen als den linkischen, unbeholfenen Fast-Teenager der ich sonst war: Jemand der lauter, gemeiner war, der sich von niemandem ans Bein pinkeln ließ und einen Scheiß auf Regeln gab. Selbst wenn sich mein aufkeimendes schwarzes Feministinnen-Ich bestärkt fühlte, wenn Queen Latifah und Monie Love bei Yo! MTV Raps 1989 „Ladies first“ performten, gab es noch einen anderen Teil von mir, der jeden Samstag im Keller heimlich Headbangers Ball guckte und von zu Hause ausreißen wollte, um Roadie bei Metallica zu werden.

So ging es ein paar Jahre lang – ich führte ein Doppelleben, tagsüber als gewöhnliches Highschool-Kid, nachts als hart rockender Metalhead – aber ich fühlte mich ziemlich einsam. Auf meiner lutherischen High School war es nicht besonders einfach andere metalbegeisterte Kids zu finden, und wo sollte man schon hingehen, um Sistas oder Brothas mit einer geheimen Vorliebe für Metal zu suchen? In einer Zeit, in der es noch kein Internet gab?! Setzt man eine Anzeige in die Zeitung („Ich, Metalfan (w/schwarz,) suche andere wie mich zum abhängen“)? Gründet man eine Selbsthilfegruppe im örtlichen Jugendzentrum?

Im zweiten Jahr auf der Highschool hatte ich immerhin ein paar verwandte Seelen gefunden. Meine Freundin Nicole lernte ich kennen, als sie auf dem Weg zum Englischunterricht eine Ecke von Metal Edge erspähte, die aus meinem Collegeblock hervolugte. „Du liest Metal Edge?“ fragte sie geschockt. Ich machte mich bereit zum Gefecht – ein ganzes Halbjahr lang hatte ich schon den Spott meiner Mitschüler ertragen müssen, nachdem ich mich als Metalhead geoutet hatte – aber sie rief nur „Ich auch!“. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Es war cool, endlich Leute zu finden, die dieselbe musikalische und kulturelle Sprache wie ich sprachen, Mädels, die Essence und RIP lasen , und die im selben Gespräch über das neue Slayer-Video und die Vor- und Nachteile von permanenter Haarglättung reden konnten. Ich fühlte mich bestätigt – auch wenn meine Mutter dachte, dass ich entweder dabei war, den Verstand zu verlieren oder an den verspäteten Folgen einer Kopfverletzung aus meiner Kindheit litt, während meine Mitschüler mir wahlweise unterstellten, dass ich meine Identität als Schwarze verraten oder mit dem Satanismus flirten würde.

Schließlich begann ich es zu schätzen, dass die Kombination von schwarzem Nagellack, fetten Springerstiefeln  und Faith No More-T-Shirts sowohl dazu geeignet waren, meine Familie zu verwirren als auch meine Mitschüler in Angst und Schrecken zu versetzen. Anstatt wenigstens zu versuchen, die Leute von mir und dem Metal zu überzeugen, legte ich es nun darauf an, sie vor den Kopf zu stoßen. Meine Freunde und ich trugen unseren Status als Metaller wie hart verdiente Orden. Aus dem einen oder anderen Grund fühlten wir uns alle als Außenseiter, und daher war es kein Zufall, dass wir uns alle von einer Musik angezogen fühlten, die aus Abweichung eine Quelle des Stolzes machte und die uns als Schutzschild gegen Zurückweisung oder Spott diente.

Dieses Gefühl von Rebellion, diese selbst gewählte Distanz zur „normalen“ Gesellschaft macht einen großen Teil der Anziehungskraft des Metal aus. In ihrer Studie aus dem Jahre 1991, „Heavy Metal: A Cultural Sociology“  findet Deena Weinstein für Metalheads die sehr passende Bezeichnung „proud pariahs“, stolze Ausgestoßene. Metal ist noch nie besonders trendy gewesen, selbst in seiner Blütezeit nicht, aber eben dieses Element des Außenseitertums trägt viel zum Reiz des Metals bei. In einem Telefoninterview erzählte sie mir „Manche Leute zieht es in Musikszenen, die nicht besonders populär sind, so wie Heavy Metal, weil sie sich von anderen abgrenzen wollen. Es ist ganz logisch, dass man sich von so etwas angezogen fühlt. Teenager benutzen Musik, um sich von ihren Eltern und ihrer Erziehung zu distanzieren.“

Das kann ich akzeptieren. Aber es ist noch mehr dabei – ein Gefühl von Kameradschaft und Akzeptanz, das man so nur unter Metalfans findet. (Ok, und vielleicht noch bei den Deadheads). Eine Loyalität, die an Besessenheit grenzt: Wir kennen jedes Wort von jedem Song auf jedem Album unserer Lieblingsband, wir tragen unsere Tourshirts, bis sie buchstäblich auseinanderfallen, wir sehen unsere Helden auf Dutzenden von Konzerten, wir geben Hunderte für Bootlegs und Import-LPs aus, selbst wenn wir nicht mal einen Plattenspieler besitzen. Meine Freundin Christina beschrieb es einmal so: „Der Respekt, den Bands vor ihren Fans haben, den die Fans füreinander haben – wenn du die Musik liebst, wenn du es ernst meinst, bist du dabei. Es ist wie eine große Familie.“

Aber wenn die Metalgemeinde eine große Familie sein sollte, fühlte ich mich oft wie eine sehr weit entfernte Verwandte. Obwohl mich das Outsider-Image der Musik zunächst anzog, war es doch ziemlich schwierig, meinen eigenen, doppelten Outsider-Status zu vergessen, wenn ich auf Konzerten war, wo die Typen mit dem Finger auf mich und meine Metalclique zeigten und uns angafften, als wären wir nicht einfach ein paar schwarze Mädels, sondern Außerirdische. Und die schwarzen Gesichter in der Menge konnte ich an einer Hand abzählen. Aber wenn die Lichter ausgingen und die Band auf die Bühne kam bangten und moshten und gröhlten wir die Texte mit. Die Musik übernahm die Kontrolle, und wir alle waren durch die Liebe zum Metal miteinander verbunden, wenn auch nur für ein paar Stunden.

Klar, genauso wie in allen Subgenres des Rock müssen weibliche Fans den Balanceakt zwischen seufzender Teenager-Hingabe und eisenharter Fan-Loyalität schaffen. Viele Frauen begeistern und identifizieren sich genauso mit der Musik und den Musikern wie männliche Fans, projizieren allerdings gleichzeitig auch sehr mädchen-typische Wüsche und Sehnsüchte auf die aggressive Atmosphäre des Metals. Wir wollen tough sein, wir wollen unseren Helden nacheifern und eine eigene Band gründen – aber, ja verdammt, wir fantasieren auch darüber, mit den Bands abzuhängen, mit ihnen zu gehen und mit ihnen zu schlafen.

Weibliche Fans fanden verschiedene Wege, um miteinander in Verbindung zu treten: als Brieffreundinnen, beim Quatschen auf dem Klo bei Metalkonzerten, in Plattenläden, wo auch immer. Wir hatten sogar unser eigenes Magazin, das bereits erwähnte Metal Edge. In den späten 80ern und frühen 90ern bot Metal Edge eine seltsame Mischung aus Kerrang und Tiger Beat: Hochglanz-PinUps und wandgroße Poster neben Werbung für Lernvideos wie „Gitarre spielen wie Yngwee Malmsteen!“ und Kleinanzeigen von Musikern auf der Suche nach Bandmitgliedern. Metal Edge nannte sich selber nie explizit ein Metal-Magazin für Mädchen, aber Gary Miller, der langjährige Chefredakteur, hatte ein unheimliches Gespür dafür, was junge weibliche Metallerinnen wollten. Eine meiner Lieblingsrubriken war „When they were young“: Drei Seiten voller alberner Baby- und Jahrbuchfotos von zweitklassigen Pop Metal Bands. „Daran konnte man sehen, dass Metal Edge wirklich für Mädchen gedacht war“, erinnert sich Christina. „Kein Kerl würde sich dafür interessieren, wie die Typen von Slaughter als Babys ausgesehen haben.“

Nutzte Metal Edge also unsere sehr widersprüchlichen Wünsche aus? Kann sein. Aber das Magazin war auch eins der wenigen Foren, wo wir Metallerinnen in unseren  Groupiefantasien schwelgen und von eigenen Bands träumen konnten, ohne unsere Glaubwürdigkeit als Fans zu verlieren. Metal Edge verkörperte genau den Status von Frauen im Metal: Eine Subkultur innerhalb einer Subkultur, ohne innerhalb derselben unterdrückt zu werden.

Als ich auf’s College ging, hatte ich begonnen, meine eigene Identität und meine Überzeugungen mit meiner Vorliebe für Metal auszusöhnen, aber es war trotzdem schwer, diese Ambivalenz auszuhalten.Wenn es schon wie ein Widerspruch klingt zu sagen, dass ich Metallerin und Feministin bin, scheint es noch ein viel größerer Widerspruch zu sein, dass ich ein gerade durch Metal zur Feministin geworden bin – eben auch weil es zum feministischen Grundwissen gehört, dass der einzige Platz in Musik, an dem Frauen nicht ausgeschlossen oder unterdrückt werden, bei andern Frauen ist, die Musik von Frauen für Frauen spielen.

Aber Metal gab mir Kraft! Weil die Musik so weit weg von meinem eigenen Leben war, gab es darin keine Vorschriften oder Klischees wer und wie ich – als schwarze Frau –  zu sein hatte. Wenn ich Metallica oder Corrosion of Conformity hörte war ich keine bitch, keine ho oder irgendein anonymer wackelnder Arsch in einem Video. Ich war keine Frau, die von irgendeinem Popstar-Traummann gerettet werden musste. Ich war  bloß jemand, der sich auf der Highschool fehl am Platz fühlte und irgendwo hingehören wollte.

Bands wie Living Colour und Sepultura gingen noch einen Schritt weiter, indem sie ihrer Musik einen stark antirassistischen und politischen Hintergrund gaben. Solche Bands halfen mir schließlich dabei, mein Fan-Sein mit meinen persönlichen Idealen zu verknüpfen, und im Gegenzug begann ich damit, Songs kritischer zu hören. Ich weigerte mich, Bands mit rassistischen, sexistischen oder homophoben Texten zu unterstützen und schrieb wütende Leserbriefe, wenn ein Metal-Magazin rassistische Kommentare riss. Was besonders wichtig war: Mit Metal als emotionalem Ventil fühlte ich mich gewappnet, um meine Identität als schwarze Frau und Feministin auszuloten und auch daraus wieder Stärke zu ziehen.

Während ich das hier schreibe wird mir eigentlich erst bewusst, wie lange es schon her ist, dass ich den Metal für mich entdeckt habe. Ich bin jetzt 26 – also schon mein halbes Leben. Metal hat jetzt vielleicht nicht mehr den gleichen Stellenwert für mich wie damals, als ich 13 war; ich versuche, musikalisch auf dem neusten Stand zu bleiben und gehe ab und zu immer noch auf Konzerte, aber ich stecke nicht besonders tief in der Szene. Vielleicht liegt es daran, dass ich älter werde; ich habe ein größeres Verständnis für meine eigene Identität und brauche die Musik oder das Fan-Sein nicht mehr, um meine Gefühle auszudrücken oder um Gemeinschaft zu erfahren. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir die Musik heute nicht mehr das Gleiche gibt. Ich nehme zwar wahr, dass es junge Brothas und Sistas gibt, die Fans von neueren Bands wie Sevendust oder Kittie sind, und ich kann die Verbundenheit nachvollziehen, die sie zu diesen Bands fühlen, auch wenn ich sie nicht teile. Ich frage mich nur, ob sich diese Kids auch mit den Widersprüchen von race und gender auseinandersetzen. Ob sie auch das Gefühl haben, sich vor ihren Familien und Freunden für ihren Musikgeschmack rechtfertigen zu müssen, oder ob sie versuchen, ihn zu verbergen. Und ich frage mich, ob sie sich über solche Dinge überhaupt noch Gedanken machen.

In vieler Hinsicht ist das Leben als Musikfan sehr viel vielschichtiger geworden als zu meiner Teenagerzeit. Teilweise haben wir es auch MTV zu verdanken, dass Kids aus unterschiedlichen Rassen und Ethnien mehr Musik gemeinsam haben als noch vor zehn Jahren. Es ist nichts Ungewöhnliches mehr, dass ein schwarzes oder Mischlingskind sich bei Total Request Live vollkommen unbefangen ein Stück von Papa Roach wünscht.

Zudem hat HipHop den Rock als  Soundtrack für pubertäre Rebellion für Kinder aller Hautfarben inzwischen so ziemlich verdrängt. Aber während es bei weißen Typen inzwischen total im Trend ist, sich bei HipHop zu bedienen (man denke nur an Fred Durst!) heißt das nicht, dass es auch ein Äquivalent von schwarzem, weiblichem Rock gibt. In den letzten 15 Jahren gab es mit den schwarzen Rockern von Living Colour und Fishbone und auch mit Bands mit einem gemischt-ethnischen Line-Up wie Sevendust oder Rage Against the Machine zwar einige Bands, die bei der Überbrückung des ethnischen Grabens im Rock große Fortschritte gemacht haben. Aber weder MTV noch die Musikradios (und das schließt auch die schwarzen Stationen mit ein) können etwas mit Künstlern anfangen, die in  keine Schublade passen, wie Me’shell Ndegéocello oder die black-female-fronte Rocker von Skunk Anansie. Statt also die Herausforderung anzunehmen, den “Black Rock“ für sich zu entdecken, ignorieren die Mainstream-Medien ihn größtenteils weiterhin.

In der 1999 erschienen soziologischen Studie und Interview-Goldgrube Frock Rock: Women Performing Popular Music, spricht Skunks Anansies Fronterin Skin über das Aufwachsen als schwarzer, weiblicher Rockfan: „Es war Musik die sich sehr von der unterschied, mit der ich groß geworden bin. Ich hab meine Begeisterung zu ihr aber mehr oder weniger versteckt. (…) Es gab nie jemanden, dem ich ähneln wollte, weil sie so verschieden von mir waren, dass ich mich nicht mit ihnen identifizierte. Ich identifizierte mich auf einem musikalischen Level, aber was das Aussehen, die Looks oder irgendwas in der Richtung angeht, waren sie mir völlig fremd.“

Selbst heute noch haben wir Sistas in Rock kein prominentes Vorbild, an dem wir uns orientieren könnten. Als Musiker oder Fan am Rock teilzuhaben ist immer noch eine ziemlich subversive Sache für schwarze Frauen – eigentlich gilt das für alle Schwarzen. Ich hoffe, dass die Musikindustrie irgendwann die Eier und das Gespür haben wird, schwarzen Rock zu unterstützen, und dass junge Frauen, die härter klingen wollen als Tracy Chapman, in der Lage sein werden, dieselbe gefühlsmäßige Verbundenheit zu finden wie ich, und darüber hinaus noch etwas mehr – das Gefühl, musikalisch, kulturell und politisch repräsentiert zu sein. Aber im Moment gebe ich mich mit den raren, kostbaren Momenten zufrieden, wenn ich z.B. auf der Straße ein Mädchen sehe, das zum Afro ein Korn T-Shirt kombiniert. Dann werde ich daran erinnert, dass es immer noch welche wie mich gibt, die die engen Begriffe von dem sprengen, was gemeinhin als „schwarze Musik“ oder als „weibliche Musik“ gilt. Und einige von uns tragen aktiv dazu bei, Rassismus und Sexismus in der Musikindustrie und in der Fankultur zu bekämpfen, etwa indem sie Fanzines herausgeben, Websites machen und schwarze Bands unterstützen.

Auf jeden Fall kann man die Leute ganz schön durcheinander bringen, wenn man ihr Bild vom „normalen“ Metal Fan auf den Kopf stellt. Das allein ist schon ein kleiner Sieg, und es macht außerdem verdammt viel Spaß.

Übersetzung: Uli

Zuerst erschienen in: Bitch Magazine, Issue 14, Summer 2001

 

Keidra Chaney lebt in Chicago. Sie ist Musik- und Kulturjournalistin und Expertin für Kommunikation und Social Media. Nach ein paar Jahren auf Abwegen hat sie wieder zum Metal zurückgefunden – als Journalistin, als Musikerin und vor allem als Fan.

Ein kleines Schmankerl

von KayDee am 28. August 2011

Bis meine Serie ‘Apocalypse soon’ erscheint dauert es noch ein wenig,

deswegen hier schonmal ein Bonbon für die Wartezeit!

Gezeichnet hat es die bezaubernde Dorit Baetcke.

 

Luv,

KayDee

 

Buchreview: „Die Straße“ von Cormac McCarthy

von Uli am 16. Mai 2011

BLACK METAL ZUM LESEN

„Vergiss mein nicht wenn lockre Erde / Dies Herz einst deckt das zärtlich für dich schlug…“ (Novalis, Hymnen an die Nacht, 1794)

Was bleibt von unserer Zivilisation, unserer Kultur, uns selbst eigentlich übrig, wenn alle die wir kannten tot sind? Wo sind wir und warum, wenn alles was wir hatten nur noch ein Schatten seiner selbst ist, Staub und Schmerz?

Der Tenor von CormacMcCarthys Roman „Die Straße“ ist dunkel. Sehr dunkel. Ein Vater und sein Sohn folgen der Straße und ziehen durch ein Amerika, das es so nicht mehr gibt. Aus welchem Grund auch immer, wir wissen es nicht, sind fast alle Menschen und Tiere tot, der Himmel ist stets von grauen Wolken bedeckt, es schneit und es ist kalt. Das Land wird von den Überlebenden bereist. Die einen vermeintlich als die Guten, wie die Protagonisten, andere offensichtlich fern ab jeglicher Realität und Norm. Und zwischendrin immer wieder die nicht gesprochene Frage: Was ist das Ziel?

„Die Straße“ ist ohne Zweifel ein Ausnahmeroman, der durch seine klare Sprache und Direktheit überzeugt und uns darüber hinaus zum grundsätzlichen Zweifel an unserer Konsumgesellschaft bringt.

– Rezension von Robert Lenerz

KayDees Zone

von KayDee am 11. Mai 2011